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Samstag, 17. April 2010

Die Bobos und ihre Zeichnerin: Claire Bretécher wird 70!

70 Kerzen pustet heute Claire Bretécher auf ihrer Geburtstagstorte aus, die bekannte Comiczeichnerin, die Figuren wie "Les frustrées" oder Aggripina erfunden hat. Sie gilt als treffsichere Beobachterin der Bobos, der von  den 68er Jahren bewegten arrivierten Mittelklasse. Hier ihre Bibliographie.
1963 beginnt sie ihre Karriere bei René Goscini, dem Asterix-Erfinder, arbeitet einige Jahre an Tintin-Produktionen mit und weiteren Gemeinschaftsprojekten. 1973 beginnt sie ihre Erfolgsserie "Die Frustrierten", die im Nouvel Observateur und im Eigenverlag als Buchserien entstehen. Damit hat sie ihren ganz eigenen wiederkennbaren zeichnerischen Stil gefunden, bringt jedoch das Leben der Bobos auch sprachlich in ihren witzigen und manchmal absurden Dialogen auf den Punkt. Die Beobachtungen bringen ihr schließlich auch den Titel der "Soziologin des Jahres" ein und die Verfilmung des Lebens ihrer Comicfigur "Aggripina" den heimlichen Titel als französischer Woody Allen. René ReGoscinnyRRené GoscinnyRené Goscinnyené Goscinny

Mittwoch, 25. November 2009

Camus letzte Reise?

Zu seinen Lebzeiten verabscheute er die französische Hauptstadt, 50 Jahre nach seinem Tod soll der französische Nobelpreisträger Albert Camus doch noch in die Hauptstadt ziehen. Präsident Sarkozy will die sterblichen Überreste des Schriftstellers ins Panthéon umbetten lassen, den prächtigen Kuppelbau in der Nähe der Sorbonne, wo die großen Persönlichkeiten der Republik in steinernen Sarkophagen ruhen. Zweifellos wäre Camus in ehrenwerter Gesellschaft neben den Gebeinen von Voltaire, Hugo, Zola oder Dumas und denen von Marie Curie, die als einzige Frau dort bestattet ist. Doch seine Kinder sind von der Idee nicht überzeugt und wollen seine letzte Ruhestätte im beschaulichen Lourmarin im Lubéron nicht aufgeben.


Vom Duft von Lavendel und Thymian umweht, ruht er unter einer hundertjährigen Zypresse. Das Licht und die Landschaft der Provence erinnerten ihn an das geliebte Algerien seiner Jugend. Ob er selbst dem posthumen Umzug zugestimmt hätte, ist fraglich. Der Kommentator Gérard Courtois von Le Monde glaubt, Camus hätte es absurd gefunden, in der aktuellen Debatte um die nationale Identität Frankreichs instrumentalisiert zu werden, schließlich habe er nur zwei Vaterländer anerkannt: Algerien und Europa. Noch ablehnender stand er Politikern gegenüber: „Männer ohne Größe oder Ideale“, notierte er einst und setzte hinzu, wie abscheulich er politische Reden fand. Ob er die von Sarkozy zu seinen Ehren geschätzt hätte, ist fraglich. Am 4. Januar 2010 ist es 50 Jahre her, seit Camus tödlich verunglückte. Ein nachträgliches Staatsbegräbnis dürfte an seinen Kindern scheitern.

Montag, 2. November 2009

Literaturpreise für Marie NDiaye und Frédéric Beigbeder


Genau genommen geht in diesem Jahr schon der dritte wichtige Literaturpreis nach Berlin: Marie NDdiaye hat die wichtigste französische Auszeichnung für Schriftsteller verliehen bekommen, den prix Goncourt. Die 42-Jährige Tochter eines Senegalesen und einer Französin wohnt seit Ende 2008 in Berlin, da sie nicht länger in einem von Sarkozy regierten Frankreich leben wollte (Interview).
Schon mit 17 schrieb sie ihren ersten Roman "Quant au riche avenir", eine Gymnasiastengeschichte, die sofort einen Verleger begeisterte. Mittlerweile hat die besessene Schreiberin 20 Romane und Novellen publiziert. Ihre Hauptpersonen sind meist Frauen in schwierigen Lebenssituationen. Sie gilt seit ihrem ersten Erfolg als "Wunderkind" und wird wegen ihrer präzisen und knappen Sprache gelobt. Den Preis bekam sie für ihren neuesten Roman "Trois femmes puissantes", der bei Gallimard erschien. Wie sie selbst sagt, porträtiert sie drei Frauen, die jede auf ihre Weise stark sind. "Sie haben eine unerschütterliche Kraft, einen Glauben an sich selbst und stellen ihre eigene Menschlichkeit nie in Zweifel. Es sind Frauen mit einer stillen Kraft", so ihre Schöpferin. Durch ihr Schreiben möchte sie dazu beitragen, dass die Öffentlichkeit mehr über die afrikanischen Frauen erfährt. Was die Juroren sagen (Film)...
Den zweiten wichtigen Preis, den prix Renaudot, erhielt Frédéric Beigbeder für "Un roman francais" (Ein französischer Roman), der bei Grasset erschien. Der frühere Werber und Bestsellerautor verarbeitete in dem Buch die Geschichte seiner Verhaftung, nachdem er auf einer Pariser Straße Kokain von der Kühlerhaube seines Autos schnupfte. In der ersten Version des Buches hatte er den zuständigen Staatsanwalt heftig beschimpft und musste auf Drängen des Verlegers vier Seiten entfernen. Der medial inszenierte Skandal war der Auflage zumindest nicht abträglich. Heute bedachte der Autor den Staatsanwalt, der seine Haftzeit angeblich verlängerte mit den Worten: "Ich denke an den Pariser Staatsanwalt, dem ich viel verdanke. Ohne die Festnahme, hätte ich das Buch nie geschrieben. Ich danke ebenso den Polizisten des achten Arrondissements".
Foto: Krimidoedel/Wikipedia

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Bonne anniversaire, Asterix!

Am 29. Oktober 1959 erblickte der streitsüchtige kleine Gallier in der Zeitschrift Pilote das Licht der Welt. Eigentlich hatte sein Schöpfer Albert Uderzo einen echten Superman im Kopf, doch der Texter René Goscinny wünschte sich einen witzigen Antihelden. Der nimmt nun schon im  34. Band den Kampf gegen die Römer auf, allerdings in der Neuzeit. Außerdem wird der Mann mit den Federn in dieser Woche pompös gefeiert.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Gallimard verlegt Herta Müller - endlich wieder ein Bestseller aus Allemagne?

Schon vor einem Monat hat der Verlag Gallimard wohl ein gutes Geschäft gemacht. Die Verleger erwarben die Buchrechte am Roman Atemschaukel einer relativ unbekannten deutschsprachigen Autorin aus Rumänien namens Herta Müller. Als die 53-Jährige mit dem Nobelpreis geehrt wurde, dürfte auch in Paris der Champagner entkorkt worden sein. Ende 2010 soll Atemschaukel auf französisch erscheinen, ob der Titel "balancoire du souffle" beibehalten wird, ist noch nicht entschieden. In jedem Fall dürfte das Buch der Nobelpreisträgerin Chancen auf einen Platz in der Bestsellerliste haben, wo nur selten ein Werk der deutschen Gegenwartsliteratur landet.
Bei der "rentrée littéraire" ist immerhin Julia Franck mit ihrem Buch Mittagsfrau vertreten, für das es aber noch keine Verkaufszahlen gibt. In diesem Jahr war Bernhard Schlinks Vorleser ein Verkaufsschlager. Nach der Verfilmung ging das Buch in Frankreich 500 000 Mal über den Ladentisch. Die beliebtesten Schriftsteller bleiben jedoch die Klassiker wie Stefan Zweig oder Alfred Döblin. Gerade wurde Berlin-Alexanderplatz neu übersetzt und kam in zweiter Auflage heraus. Auch an Neuauflagen von Freud und Schopenhauer arbeiten derzeit Übersetzer für Neuauflagen.
Verlag Folio

Donnerstag, 24. September 2009

Valérie Giscard d´Estaing und die Prinzessin - alles nur geträumt?


Die Widmung des neuen Buches von Valérie Giscard d´Estaing gibt Rätsel auf. "Versprechen erfüllt", heißt es rätselhaft. Noch rätselhafter werden die Worte wegen der Handlung seines neuen Romans "La princesse et le président". Die Hauptpersonen sind ein verwitweter Präsident und "Patricia, die Princessin von Cardiff, einer Stadt in Wales" und sie erleben eine leidenschaftliche Liebe. "Ich werde Ihnen berichten, was mir geschah...Etwa zehn Tage vor meiner Hochzeit sagte mir mein Mann, dass er eine Geliebte hat und dass er vorhabe, die Beziehung mit ihr nach unserer Hochzeit fortzusetzen", klagt Patricia im Roman ihrem Präsidenten, der sie fortan im prächtigen Dekor des Kensington-Palastes oder des Schlosses Rambouillet zärtlich tröstet. Sehr realistisch sind die Intérieurs der verschiedenen Paläste beschrieben, das nährte in den französischen Medien Spekulationen über einen möglichen Wahrheitsgehalt. Für dem ehemaligen Präsidenten, dessen letztes Buch eher unbemerkt unterging, ist kaum eine bessere Werbung vorstellbar.
In der heutigen Ausgabe von Le Point gesteht er allerdings: "Ich habe die Fakten erfunden, die Orte und die Einrichtung jedoch nicht". Er habe die Prinzessin allerdings gekannt und mit ihr geplaudert, auch über Liebebeziehungen zwischen Politikern der Großmächte. Sie habe ihn gefragt: "Warum schreiben sie nicht ein Buch darüber".

Das Buch "La princesse et le président" erscheint am 1. Oktober im Verlag Éditions de Fallois-XO.