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Sonntag, 2. Mai 2010
Versprich mir den Mond auf Erden
...sinngemäß nach einem französischen Ausdruck "décrocher la lune". Was dieser und 15 andere Redewendungen bedeuten, hat TV5 Monde auf seiner Website liebevoll zeichnen lassen und erklärt. Den wunderschönen französischen Ausdruck "den Mond herunterholen" würde man auf Deutsch als "Himmel auf Erden" umschreiben.
Sonntag, 14. März 2010
Comment-dire: Béni-oui-oui?
In Parteien ist die Spezies häufig anzutreffen, natürlich auch in Unternehmen. Die "béni-oui-oui", was so viel wie "Jasager" bedeutet, Leute, die alles abnicken. Stalinistisch geführte Parteien (faschistischen sowieso), wo Wahlergebnisse von 100 Prozent auch ohne Fälschung zustande kamen, lebten von ihnen. Doch auch heute ist das Duckmäusertum verbreitet. Woher der Begriff kommt, ist nicht ganz klar. In Internetforen wird darüber spekuliert, dass "béni" aus dem Arabischen kommt und von Sohn abgeleitet wurde, das doppelte Oui dagegen ist eindeutig französisch. Das Wort soll während der Kolonialzeit entstanden sein. Hier noch die Erklärung des Trésor de la langue francaise.
Sonntag, 7. März 2010
Das Wort zum Sonntag: Vorratsdatenspeicherung
Die Übersetzung von zusammengesetzten deutschen Wortmonstern ist eine Herausforderung. Die "Vorratsdatenspeicherung" besteht sogar aus drei aneinandergestückelten Worten. Der schöne Begriff wurde 2007 Teil der deutschen Sprache, als ein gleichnamiges Gesetz erlassen wurde. In dieser Woche stufte das Bundesverfassungsgericht das Gesetz jedoch als verfassungswidrig ein.
Beim Übersetzen der Bandwürmer ist es legitim, einen Teil wegzulassen. Ein Blick in französische Medien hilft, Le Nouvel Obs hat das Gesetz "une loi sur la conservation de données" benannt. Das ist die geschickteste Übertragung, da die "conservation" der "Speicherung auf Vorrat" sehr nahe kommt. Andere Medien sprechen von einer "stockage de données", das wäre allerdings nur eine Datenspeicherung. Naheliegender wäre eine Umschreibung, wie beispielsweise "rétention de données pendant six mois".
Beim Übersetzen der Bandwürmer ist es legitim, einen Teil wegzulassen. Ein Blick in französische Medien hilft, Le Nouvel Obs hat das Gesetz "une loi sur la conservation de données" benannt. Das ist die geschickteste Übertragung, da die "conservation" der "Speicherung auf Vorrat" sehr nahe kommt. Andere Medien sprechen von einer "stockage de données", das wäre allerdings nur eine Datenspeicherung. Naheliegender wäre eine Umschreibung, wie beispielsweise "rétention de données pendant six mois".
Sonntag, 28. Februar 2010
Das Wort zum Sonntag: Lautmalerei - Onomatopée
Lautmalereien geben durch ihre Tonfolgen bestimmte Geräusche wieder oder drücken Empfindungen wie Erschrecken, Erstaunen oder Schmerz aus. Wer einmal Comics oder Zeichentrickfilme übersetzt hat, stellt fest, dass die verwendeten Laute von Sprache zu Sprache ganz unterschiedlich ausfallen. Im Kurs für Comicübersetzen an der Humboldt-Universität entstand eine sehr hilfreiche Liste der Onomatopées.
So schreit das französische Kind Aie, das deutsche Au oder Aua. Südlich des Rheins gibt "Atchoum" das Geräusch des Niesens wieder, nördlich Hatschi. Wenn Asterix selig schlummert, zeigt sich ein ZZZZZ in seiner Sprechblase, auf deutsch ein "Schnorr". Der Gangster lässt mit seiner Pistole auf Deutsch ein "Peng, Peng" erklingen, auf Französisch ein "Pan, Pan". Die hilfreichen Rettungskräfte nahen mit französischem "PinPon" oder mit deutschem "Tatü". Selbst die Polizeihunde würden sich wohl nicht sofort verstehen, wenn sie lautmalerisch bellen würden - auf Französisch "Ouah, Ouah" statt "Wau, Wau". Und wenn die Deutschen das "Cocorico" des französischen Gockels hören würden, statt des Weckrufes Kikeriki, würden sie sich wohl nochmal im Bett umdrehen. Selbst die Ostsee klingt anders, als das Mittelmeer. "Splatsch" fällt der Stein im Norden ins Wasser, auf französisch klingt er "Plouf". Da bleibt nur ein erschöpftes "OUF". Comicübersetzen kann man übrigens lernen. Der Dozent Xavier Bihan lehrt Comicübersetzen und Filmübersetzen am Institut für Romanistik der Humboldt-Universität Berlin im Sommersemester 2010. Möglicherweise werden beide Kurse letztmalig angeboten, da die Übersetzerausbildung dem Rotstift geopfert wurde.
So schreit das französische Kind Aie, das deutsche Au oder Aua. Südlich des Rheins gibt "Atchoum" das Geräusch des Niesens wieder, nördlich Hatschi. Wenn Asterix selig schlummert, zeigt sich ein ZZZZZ in seiner Sprechblase, auf deutsch ein "Schnorr". Der Gangster lässt mit seiner Pistole auf Deutsch ein "Peng, Peng" erklingen, auf Französisch ein "Pan, Pan". Die hilfreichen Rettungskräfte nahen mit französischem "PinPon" oder mit deutschem "Tatü". Selbst die Polizeihunde würden sich wohl nicht sofort verstehen, wenn sie lautmalerisch bellen würden - auf Französisch "Ouah, Ouah" statt "Wau, Wau". Und wenn die Deutschen das "Cocorico" des französischen Gockels hören würden, statt des Weckrufes Kikeriki, würden sie sich wohl nochmal im Bett umdrehen. Selbst die Ostsee klingt anders, als das Mittelmeer. "Splatsch" fällt der Stein im Norden ins Wasser, auf französisch klingt er "Plouf". Da bleibt nur ein erschöpftes "OUF". Comicübersetzen kann man übrigens lernen. Der Dozent Xavier Bihan lehrt Comicübersetzen und Filmübersetzen am Institut für Romanistik der Humboldt-Universität Berlin im Sommersemester 2010. Möglicherweise werden beide Kurse letztmalig angeboten, da die Übersetzerausbildung dem Rotstift geopfert wurde.
Sonntag, 21. Februar 2010
Das Wort zum Sonntag: Le canard
Diese Geschichte könnte aus einem Hollywood-Film stammen. Am vergangenen Wochenende kollidierte ein Hubschrauber im Drôme-Gebirge mit einem Baum. Durch einen waghalsigen Sprung retteten sich der Pilot und die 73!-Jährige Passagierin, berichteten viele Zeitungen, darunter Libération. Da hatten sie allerdings einen "canard" gelandet, stellte sich heraus. "Le canard" ist die "Zeitungsente", also eine Falschmeldung. "Fausse nouvelle lancée dans la presse" schreibt Le Petit Robert.
Solche Enten watscheln meist dann, wenn Journalisten nicht ausreichend recherchieren. In diesem Fall hatte ein Feuerwehrmann die abenteuerliche Version der Ereignisse an die Presse gemeldet, nachdem der Pilot im Schock berichtete, er sei "herausgesprungen". Er sprang aber aus dem schon im Schnee notgelandeten Helikopter und holte Hilfe. Im Nachhinein stellte sich auch heraus, dass die Passagierin noch nicht so betagt war. Fehlleistungen wie diese brachten dem "canard" noch eine weitere Bedeutung, im Französischen nennt man eine Zeitung abwertend "Canard." Selbstironisch hat die Wochenzeitung "Le canard enchainé" den Begriff als Namen gewählt. In diesem Fall ist jedoch Nomen nicht Omen. Das Blatt gehört zu den wenigen kritischen Medien und veröffentlicht regelmäßig gut recherchierte Enthüllungsgeschichten.
Solche Enten watscheln meist dann, wenn Journalisten nicht ausreichend recherchieren. In diesem Fall hatte ein Feuerwehrmann die abenteuerliche Version der Ereignisse an die Presse gemeldet, nachdem der Pilot im Schock berichtete, er sei "herausgesprungen". Er sprang aber aus dem schon im Schnee notgelandeten Helikopter und holte Hilfe. Im Nachhinein stellte sich auch heraus, dass die Passagierin noch nicht so betagt war. Fehlleistungen wie diese brachten dem "canard" noch eine weitere Bedeutung, im Französischen nennt man eine Zeitung abwertend "Canard." Selbstironisch hat die Wochenzeitung "Le canard enchainé" den Begriff als Namen gewählt. In diesem Fall ist jedoch Nomen nicht Omen. Das Blatt gehört zu den wenigen kritischen Medien und veröffentlicht regelmäßig gut recherchierte Enthüllungsgeschichten.
Sonntag, 14. Februar 2010
Das Wort zum Sonntag: Warum rufen sich die Franzosen nichts zu?
Es war der Horror in einer Prüfung. Da bekam ich tatsächlich einen deutschen Text, in dem ein Lokalpolitiker den Besuchern in einem Bierzelt etwas "zuruft". Und das Ganze sollte ohne Wörterbuch flott ins Französische übersetzt werden. Die Suche begann: in welcher grauen Zelle hatte sich nur das französische Pendant für "zurufen" versteckt? Ich war überzeugt: "Das Wort muss es geben, es fällt mir nur nicht ein". Doch nach der Prüfung ergab der Blick ins Wörterbuch: Non! Auf Französisch ruft man sich nichts zu. Zwar schlägt das Langenscheidt-Wörterbuch vor "crier", doch das kommt eher dem deutschen Schreien oder Brüllen nah. (Passt ja auch zum Bierzelt, aber was tut man in Norddeutschland?)
Wenn man das Verb "zurufen" übersetzt oder dolmetscht, dann gibt es verschiedene Varianten. So kommt in vielen Fällen "lancer" in Frage. In einem aktuellen Artikel aus der Zeit über die Nobelpreisrede von Barack Obama kam beispielsweise folgender Satz vor: "The glory is yours", ruft ihm der norwegische König Harald V. im Rathaus von Oslo zu....Die naheliegendste Übersetzung wäre: "The glory is yours" lui lance le roi de Norvège Harald V à l´hôtel de ville à Oslo. Alternativ könnte in dem Fall auch "s´exclamer" eingesetzt werden: .."s´exclame le roi Harald V en se tournant vers Barack Obama.
Je nach Situation könnten annoncer oder dire verwendet werden. Auch wenn die Lautstärke dann eigentlich nicht ganz dem Zurufen entspricht. Warum das so ist? Das konnte noch kein Muttersprachler beantworten? Vielleicht finden die Franzosen das Zurufen eher unhöflich. Und wenn man denn unhöflich ist, dann schreit oder brüllt man eben. Aber das ist nur eine unwissenschaftliche Vermutung. Vielleicht wissen die Leser mehr.
Merci à Bernadette, Camille et Marina pour l´inspiration!
Wenn man das Verb "zurufen" übersetzt oder dolmetscht, dann gibt es verschiedene Varianten. So kommt in vielen Fällen "lancer" in Frage. In einem aktuellen Artikel aus der Zeit über die Nobelpreisrede von Barack Obama kam beispielsweise folgender Satz vor: "The glory is yours", ruft ihm der norwegische König Harald V. im Rathaus von Oslo zu....Die naheliegendste Übersetzung wäre: "The glory is yours" lui lance le roi de Norvège Harald V à l´hôtel de ville à Oslo. Alternativ könnte in dem Fall auch "s´exclamer" eingesetzt werden: .."s´exclame le roi Harald V en se tournant vers Barack Obama.
Je nach Situation könnten annoncer oder dire verwendet werden. Auch wenn die Lautstärke dann eigentlich nicht ganz dem Zurufen entspricht. Warum das so ist? Das konnte noch kein Muttersprachler beantworten? Vielleicht finden die Franzosen das Zurufen eher unhöflich. Und wenn man denn unhöflich ist, dann schreit oder brüllt man eben. Aber das ist nur eine unwissenschaftliche Vermutung. Vielleicht wissen die Leser mehr.
Merci à Bernadette, Camille et Marina pour l´inspiration!
Sonntag, 7. Februar 2010
Das Wort zum Sonntag: demi-connaissances
Der im vergangenen Jahr mit 101 Jahren verstorbene Anthropologe und Philosoph Claude Levi-Strauss gehörte einer aussterbenden Art an: dem des Universalgenies oder Universalgelehrten. (Il était un génie universel ou un savant universel). Weisheit (la sagesse) scheint in unserer schnelllebigen Zeit keine Konjunktur zu haben. Stattdessen bringt die Epoche einen Menschentypus hervor, der "irgendwas mit Medien" macht und über ein "solides Halbwissen" verfügt. Im Französischen ist oft von "demi-connaissances" die Rede. Das solide Halbwissen, eine ironische Betrachtung die zwei Gegensätze aufeinanderprallen lässt, ließe sich mit "demi-connaissances solides" übersetzen (Merci à Bernadette Desorbay pour cette solution!). Im Französischen ist außerdem oft die Rede von "demi-connaissances en toutes choses". Allerdings werden diese Begriffe im Deutschen häufiger verwendet, passend zur "Digitalen Bohème" die Milchkaffee schlürfend mit Laptop Berliner Cafés bevölkert und an einem Projekt arbeitet. Französische Korrespondenten und Arte berichteten über die "bohème numérique" de Berlin.
Sonntag, 31. Januar 2010
Das Wort zum Sonntag: blanchir
"Dominique de Villepin blanchi" vermeldeten die Medien in dieser Woche nach dem Clearstream-Prozess und Arte übersetzte dies als "Freispruch" für DdV. Im Zusammenhang mit Prozessen oder Beschuldigungen bedeutet blanchir soviel wie entlasten, freisprechen und ist von der deutschen Metapher "eine weiße Weste haben" nicht weit entfernt.
Ursprünglich steht das von blanc abgeleitete Verb ganz einfach für weißen, waschen, reinigen oder bleichen, verrät Le Petit Robert. Auch dem strahlenden Lächeln kann blanchir auf die Sprünge helfen, nämlich beim blanchissement des dents, dem Bleichen des Gebisses, was die Zahnärzte neudeutsch "Bleaching" nennen, weil das wohl flotter klingt. Weniger erwünscht ist "blanchir" bei den Haaren, die weiß werden. Altersprozesse sind eben nicht so beliebt wie kleine Eingriffe für die Schönheit. Auch weiß werden kann mit "blanchir" übersetzt werden, nämlich "La neige blanchit les sommets" (Schnee bedeckt die Gipfel mit Weiß).
Ehrenhaft ist das Verb mit den vielen Bedeutungen auch nicht immer, vor allem wenn man es im Zusammenhang mit Geldern einsetzt. "Blanchir des fonds" heißt nämlich soviel wie Geldwäsche, auch hier gibt es also eine ähnliche Metapher im Deutschen.
Ursprünglich steht das von blanc abgeleitete Verb ganz einfach für weißen, waschen, reinigen oder bleichen, verrät Le Petit Robert. Auch dem strahlenden Lächeln kann blanchir auf die Sprünge helfen, nämlich beim blanchissement des dents, dem Bleichen des Gebisses, was die Zahnärzte neudeutsch "Bleaching" nennen, weil das wohl flotter klingt. Weniger erwünscht ist "blanchir" bei den Haaren, die weiß werden. Altersprozesse sind eben nicht so beliebt wie kleine Eingriffe für die Schönheit. Auch weiß werden kann mit "blanchir" übersetzt werden, nämlich "La neige blanchit les sommets" (Schnee bedeckt die Gipfel mit Weiß).
Ehrenhaft ist das Verb mit den vielen Bedeutungen auch nicht immer, vor allem wenn man es im Zusammenhang mit Geldern einsetzt. "Blanchir des fonds" heißt nämlich soviel wie Geldwäsche, auch hier gibt es also eine ähnliche Metapher im Deutschen.
Sonntag, 24. Januar 2010
Das Wort zum Sonntag: Le scanner corporel
Ab sofort wird auf diesem Blog Sonntags (außer bei Winterblues) ein aktuelles französisches Wort und dessen Entsprechung im Deutschen vorgestellt. Noch im vergangenen Jahr hatten die Europäer Nacktscanner als Spinnerei der angstgeplagten Amerikaner abgetan, die in ihrem Antiterrorwahn Flugreisende bis auf die Knochen durchleuchten. Fast parallel entwickelten sich damals die Ausdrücke "scanner déshabillant" und "Nacktscanner". Selbst der nicht gerade zimperliche deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble betrachtete die Aufstellung von solchen Geräten damals als abseitige Idee.
Mittlerweile hat sich die Öffentlichkeit offenbar mit der Durchleuchtung abgefunden. Bei einer Umfrage in Le Monde waren beispielweise 43,7 Prozent der Franzosen für den Scanner und nur 35,4 dagegen, der Rest hatte keine Meinung. In den nächsten Tagen soll das erste Testgerät in Paris Charles-de-Gaulles aufgestellt werden. Mittlerweile heißt der Apparat versöhnlicher "scanner corporel".
In Deutschland demonstrierten Gegner dieser Kontrollmethode mit Flashmobs, sie ließen die Hüllen in mehreren Flughäfen aus Protest fallen. Dennoch hat sich auch im deutschsprachigen Raum der fast schon niedlich klingende Ausdruck "Körperscanner" eingebürgert. Im Sommer soll über eine Aufstellung entschieden werden.
Mittlerweile hat sich die Öffentlichkeit offenbar mit der Durchleuchtung abgefunden. Bei einer Umfrage in Le Monde waren beispielweise 43,7 Prozent der Franzosen für den Scanner und nur 35,4 dagegen, der Rest hatte keine Meinung. In den nächsten Tagen soll das erste Testgerät in Paris Charles-de-Gaulles aufgestellt werden. Mittlerweile heißt der Apparat versöhnlicher "scanner corporel".
In Deutschland demonstrierten Gegner dieser Kontrollmethode mit Flashmobs, sie ließen die Hüllen in mehreren Flughäfen aus Protest fallen. Dennoch hat sich auch im deutschsprachigen Raum der fast schon niedlich klingende Ausdruck "Körperscanner" eingebürgert. Im Sommer soll über eine Aufstellung entschieden werden.
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