Mittwoch, 25. November 2009

Camus letzte Reise?

Zu seinen Lebzeiten verabscheute er die französische Hauptstadt, 50 Jahre nach seinem Tod soll der französische Nobelpreisträger Albert Camus doch noch in die Hauptstadt ziehen. Präsident Sarkozy will die sterblichen Überreste des Schriftstellers ins Panthéon umbetten lassen, den prächtigen Kuppelbau in der Nähe der Sorbonne, wo die großen Persönlichkeiten der Republik in steinernen Sarkophagen ruhen. Zweifellos wäre Camus in ehrenwerter Gesellschaft neben den Gebeinen von Voltaire, Hugo, Zola oder Dumas und denen von Marie Curie, die als einzige Frau dort bestattet ist. Doch seine Kinder sind von der Idee nicht überzeugt und wollen seine letzte Ruhestätte im beschaulichen Lourmarin im Lubéron nicht aufgeben.


Vom Duft von Lavendel und Thymian umweht, ruht er unter einer hundertjährigen Zypresse. Das Licht und die Landschaft der Provence erinnerten ihn an das geliebte Algerien seiner Jugend. Ob er selbst dem posthumen Umzug zugestimmt hätte, ist fraglich. Der Kommentator Gérard Courtois von Le Monde glaubt, Camus hätte es absurd gefunden, in der aktuellen Debatte um die nationale Identität Frankreichs instrumentalisiert zu werden, schließlich habe er nur zwei Vaterländer anerkannt: Algerien und Europa. Noch ablehnender stand er Politikern gegenüber: „Männer ohne Größe oder Ideale“, notierte er einst und setzte hinzu, wie abscheulich er politische Reden fand. Ob er die von Sarkozy zu seinen Ehren geschätzt hätte, ist fraglich. Am 4. Januar 2010 ist es 50 Jahre her, seit Camus tödlich verunglückte. Ein nachträgliches Staatsbegräbnis dürfte an seinen Kindern scheitern.

Kommentare:

  1. Zu Camus fällt mir ein, dass er "Die Mauer" oder so ähnlich geschrieben hat. Im einen oder anderen Quiz in Kneipen oder Fernsehshows wurde danach jedenfalls gerne gefragt - im Umfeld des 20. Jahrestags des Berliner Mauerfalls am 9. November. Also wenn schon ein Staatsbegräbnis, dann doch vielleicht eher in Berlin als in Paris, oder???

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  2. Da fehlen aber die Zypressen, lieber Quizzteilnehmer...Die bekanntesten Bücher von Monsieur Camus sind "Die Pest" und "Der Fremde", falls das mal drankommen sollte:-)

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  3. Camus würde sich im Grabe umdrehen. Aber wie man an Reger sehen kann, hat man nach dem Ableben gelegentlich wenig Einfluss auf die letzte Ruhestätte. Nie wolle er in München begraben sein, hat er gesagt. Quizfragen: Wo liegt er nun nach mehreren Umzügen??
    Kann man nur hoffen, dass Camus diese postume Vereinnahmung erspart bleibt ...

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  4. Ähem ... dem anonymen Quizteilnehmer sei gesagt: Ich glaube, Du dachtest da irgendwie an Camus' "La chute" - schöne Assoziation :)
    Und Sarkozys alphatierische Spielchen sollte man eigentlich komplett ignorieren. Wenn das nur irgendwie ginge ...

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  5. Keine Sorge, vermutlich wird er weiter friedlich im Luberon schlummern. Sein Sohn verweigert den Umzug. Hier sind übrigens alle Werke verzeichnet: http://webcamus.free.fr/oeuvre.html
    Sarkozys Aktionen zu ignorieren ist natürlich schwierig, da er einerseits hyperaktiv ist und andererseits mit einer großen Machtfülle ausgestattet.

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