Wie eine Fata Morgana ragt der sagenumwobene Berg aus dem Wattenmeer empor. Der Mont Saint Michel vor der normannischen Küste ist die berühmteste Sehenswürdigkeit Frankreichs, noch vor dem Eiffelturm. Doch der Straßendamm, der zur Unesco-Weltkulturerbestätte führt, hat in das Ökosystem der Bucht erheblich eingegriffen und ließ den Berg mehr und mehr versanden. Nur noch selten wird er heute vom Meer umtost, wie es die Sagen und viele Schriftsteller von einst beschreiben. Deshalb haben die Region und die benachbarten Kommunen beschlossen, die Bucht zu renaturieren. Vor zwei Wochen öffnete ein neuer Staudamm, der den Klosterberg in den kommenden Jahren freispülen soll und das Watt in Watt verwandeln. Bei Flut soll dieser Damm die Schleusen öffnen und das Meerwasser bis in den Unterlauf des Flusses Couesnon fließen. Danach bleiben die Schleusen bis zur Ebbe geschlossen, um dann die Wassermassen in die Bucht tosen zu lassen. Sie sollen in den nächsten Jahren die angelagerten Sedimente wegspülen und dem Berg seine ursprüngliche Schönheit wiedergeben. Auch der Straßendamm und der Parkplatz verschwinden. Pferdefuhrwerke sollen künftig die Besucher zur Insel fahren.
Immerhin drei Millionen Touristen strömen jährlich zum "Wunder des Abendlandes".
Mittlerweile lebt wieder eine kleine Kostergemeinschaft der "Brüder und Schwestern von Jerusalem" auf der Insel neben rund 40 ständigen Einwohnern. Die Souvenirläden und Restaurants in den mittelalterlichen Straßen gehören drei Großfamilien, die an den Besucherströmen prächtig verdienen. Eine Alternative ist ein Besuch in der Klostergemeinschaft (Link ins Kloster), allerdings nur für Frühaufsteher, die um 6.30 zur Messe gehen und tagelang schweigen können.
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